Widerstand ein Leben lang – Wie wir aktiv und kreativ bleiben können, ohne uns und anderen zu schaden

Prävention und Intervention bei Konflikten, Krisen und unterdrückenden Strukturen
Von Maryam

Solange es politische Bewegungen gibt, solange wird bereits über ihre Strategien, Ziele, Methoden und Probleme diskutiert. Politischer Aktivismus, der seine eigenen Gefahren und Belastungen mit bringt, in Kombination mit der Komplexität der menschlichen Psyche und einer global vernetzten Gesellschaft als Ganzes, in der wir leben und uns organisieren, kann zu vielfältigen Problemen führen.
Damit wir aber möglichst lange und effektiv aktiv bleiben können, soll sich dieser Text auf Einflussfaktoren auf physische und psychische Verfassungen konzentrieren, die unseren Aktivismus stärken und fördern können. Denn nicht nur Stress und „Burnout“ sind bereits in unserer politischen Bewegung als Probleme anerkannt und thematisiert worden, auch wird immer wieder darüber diskutiert, warum viele Menschen in politischen Zusammenhängen nur kurzzeitig aktiv sind oder nach intensivem und jahrelangem Engagement plötzlich wegbrechen und aussteigen. Zudem gab es im letzten Jahr ein paar Menschen im Umfeld der Tierbefreiungsbewegung, die den Freitod als ihren Ausweg gewählt haben, weshalb es wichtig erscheint, politisch aktiven Zusammenhängen eine Reihe an Strategien, Methoden und Konzepten vorzustellen, die zu Problemlösungen und der Veränderung belastender Lebenssituationen und Strukturen beitragen können.
Nicht nur die Art und Weise der Kommunikation und des Umgangs miteinander wirken sich auf Arbeitsmotivation und das allgemeine psychische Befinden Einzelner aus. Die soziale Interaktion und der Umfang an Strukturen, in denen wir uns begegnen, sind auch die Faktoren, die wir am stärksten beeinflussen können. Weil wir sie selbst schaffen, ständig mitgestalten und jederzeit verändern können, scheint die Auseinandersetzung mit Gruppenprozessen und -dynamiken am erfolgversprechensten dabei, die Zustände für uns täglich erträglicher zu gestalten und einen langfristigen Aktivismus zu fördern.
Die folgende Mischung aus Methoden, Konzepten, Tipps und Vorschlägen stellt eine Ideensammlung dar, die verschiedenste Anregungen bieten soll, die tägliche Arbeit und das lebenslange politische Engagement für die Befreiung aller Tiere erträglicher und erfüllender zu gestalten. Nicht alle funktionieren bei allen Menschen. Denn wir sind alle unterschiedlich, mit unterschiedlichen Erfahrungen, Bedürfnissen, Ängsten, Träumen und uns begleitenden Schwierigkeiten. Für sich und andere Menschen, vor allem für Freund*innen und Aktivist*innen zu sorgen, stellt sich dabei als das wichtigste Ziel heraus, um lange aktiv zu bleiben und lange zu leben. Zwar scheint dies für viele Menschen selbstverständlich, ist aber gar nicht immer so leicht.
Die folgenden Texte lassen sich in vier Bereiche teilen. Zuerst findet ihr Hinweise dazu, was jede*r Einzelne*r für sich selbst tun kann, danach was wir füreinander tun können, das heißt, welche Strukturen und Einstellungen wir brauchen. Der dritte Bereich thematisiert Maßnahmen gegen Leistungsdruck, Arbeitsüberlastungen und Traumatisierungen. Zum Schluss folgen Ideen für scheinbar aussichtslose Situationen. Einige Themen sind sehr kurz gehalten und benötigen eine viel intensivere Auseinandersetzung. Mehrere Anregungen wurden aus dem Buch „Aftershock“ von Pattrice Jones entnommen.
Der folgende Text ist hier vorerst als pdf in normaler Textform einsehbar, wird in ein paar Wochen aber auch als Zine erscheinen, das dann in Broschürenformat gedruckt und verbreitet werden kann: Widerstand_ein_Leben_lang
Er ist etwa 28 Seiten lang und in gekürzter Form in der aktuellen Ausgabe des Magazins TIERBEFREIUNG (Nummer 88, 3/2015) erschienen.

Inhaltsverzeichnis

Was ihr für euch selbst tun könnt

  • Belastungen und Gefühle reflektieren
  • Krisenbewältigung trainieren
  • Körperliche Grundbedürfnisse versorgen
  • Belastungen gezielt kompensieren
  • Selbstbestimmung und Selbstverteidigung
  • Prioritäten setzen
  • Ihr seid nicht allein
  • Wohfühllisten
  • Sichere Orte
  • Verhältnisse akzeptieren und Inspirationsquellen suchen
  • Politische Erfolge und schöne Momente festhalten
  • Zeit nehmen
  • Sich verändern
  • Alternative Medizin und Herbalismus
  • Entspannungsmethoden

Was wir füreinander tun können

  • Vorurteile und verinnerlichte Denkweisen reflektieren
  • Gefühle ernst nehmen
  • Individualität berücksichtigen & Wir-Identitäten hinterfragen
  • Solidarität und Wertschätzung
  • Vermeidung von Grenzverletzungen
  • Selbstermächtigung und Unterstützung
  • Awareness und Schutzkonzepte
  • Antisexistische Praxis
  • Andere Ungleichheiten mitdenken
  • Selbstverständlichkeiten und Szenecodes hinterfragen
  • Sichere Räume schaffen
  • Hierarchien abbauen
  • Integrierung „neuer“ Menschen
  • Wir alle sind Tiere
  • Schutz vor Repression
  • Gefangenenunterstützung
  • Anerkennung anderer Aktionsformen
  • Vernetzung mit anderen Bewegungen
  • Veränderung der eigenen Lebensgrundlagen
  • Aktivismus und Spaß

Methoden gegen Leistungsdruck, Arbeitsüberlastungen und Traumatisierungen

  • Vorstellungen austauschen
  • Druck und Stress abbauen
  • Intensive Vorbereitung und konkrete Zuständigkeiten
  • Arbeitsbelastung thematisieren und Kapazitäten reflektieren
  • Effektive und rücksichtsvolle Kommunikation
  • Realistische Projektplanung
  • Detaillierte Aktionsplanung und Berücksichtung aller Beteiligten
  • Performance Visualization & Mental Imagery
  • Bildet Bezugsgruppen
  • Während Aktionen
  • Nachbereitungen
  • Kurzfristige Ziele und kleine Erfolge
  • Alternativen zur Lohnarbeit

Wenn gerade gar nichts mehr geht

  • Emotionale Notfallsituationen, Traumatisierungen und Krisen
  • Suizidgedanken
  • Hilfe von Außen holen
  • Psychotherapie
  • Andere Strukturen und Gruppen finden
  • Auszeiten nehmen

Zum Weiterlesen und Hören

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